Wie ruhig man wird, wenn es wirklich zählt.
- Christoph

- 12. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Man merkt es nicht sofort.
Es ist nicht dieses nervöse Herzklopfen, das man aus Filmen kennt.
Eher das Gegenteil.
Eine auffällige Ruhe.
Fast unpassend.
Ich stand vor dem Kleiderbügel und wusste ziemlich genau, dass dieser Tag kein normaler werden würde.
Nicht, weil etwas Dramatisches in der Luft lag.
Sondern weil alles erstaunlich klar war.
Kein Grübeln.
Keine tausend Möglichkeiten im Kopf.
Nur Entscheidungen, die sich bereits getroffen angefühlt haben.
Der Anzug hing da, als hätte er gewusst, dass er heute gebraucht wird.
Nicht für einen Anlass, bei dem man glänzt.
Sondern für einen, bei dem man Haltung braucht.
Interessant ist ja:
Je ernster etwas ist, desto leiser wird es im Inneren.
Zumindest bei mir.
Es gab heute mehrere Momente, in denen alles hätte kippen können.
Ein falscher Satz.
Ein zu langes Schweigen.
Oder ein Blick, der mehr sagt als geplant.
Ich blieb ruhig.
Fast unheimlich ruhig.
Nicht diese einstudierte Gelassenheit, die man nach außen trägt.
Sondern eine, die von innen kommt.
So eine, die auch nicht verschwindet, wenn man alleine ist.
Man hätte vieles hineininterpretieren können.
Ein Abschied vielleicht.
Oder ein Anfang, der sich nicht wie einer anfühlt.
Vielleicht auch einfach eine Grenze, die lange überfällig war.
Ich habe Dinge gehört, die man sich merkt.
Und Dinge nicht gesagt, die man später nicht bereut.
Das Schwierige an solchen Tagen ist ja nicht das, was passiert.
Sondern das, was möglich gewesen wäre.
Gegen Abend lag die Krawatte auf dem Tisch.
Nicht achtlos.
Eher wie ein stilles Zeichen:
Das war jetzt erledigt.
Und da war sie noch immer.
Diese Ruhe.
Nicht erleichtert.
Nicht stolz.
Nicht zufrieden.
Einfach da.
Interessant, wie ruhig man bleiben kann.
Auch danach.
Vielleicht, weil man spürt, dass man richtig gehandelt hat.
Oder weil man weiß, dass etwas endgültig ist – ohne es benennen zu müssen.
Oder vielleicht auch, weil man gelernt hat,
dass nicht jede Ernsthaftigkeit laut sein muss.
Ich sag wie´s ist:
Manches wirkt erst dann wirklich,
wenn man ruhig bleibt.



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